Am diesjährigen Swiss Forum for Educational Media (SFEM 2007) zu Open Access - Gratiskultur im Wissens- und Bildungsbereich? nahm ich am Workshop "Orientierung bieten in Lernportfolios - Kompetenzraster fürs Lernen" teil, der von Yvonne Vignoli und Andy Hediger moderiert wurde.

Nachstehend die Resultate, welche im Workshop von den Teilnehmenden erarbeitet wurden:
gps_fuers_lernen
Bildquelle: lernenzwei.ch


Meine zentralen Erkenntnisse aus dem Workshop sind:
  • "Lernportfolio" nicht gleich "E-Portfolio" nicht gleich "E-Portfolio"!
  • Entscheidungsträger müssen hinter dem Kompetenzbasierten Lernen und hinter E-Portfolios stehen!
  • Individuelle Lernziele vor einem gemeinsamen Horizont!
  • Lernbegleitung, Kompetenzbasiertheit und Praxisbezug sind zentral!
  • Open Access nicht nur für Content (Inhalte und Tools), sondern auch für Konzepte!
  • Orientierung der Lernenden nach innen (Kompetenzraster); Orientierung der Lernenden nach aussen (E-Portfolio); Orientierungskompetenzen sind zentral!
  • Lernbegleiter und Praktiker brauchen eine Ausbildung, wie E-Portfolios im Diskurs mit dem Lernenden besprochen werden können!
  • Lernende brauchen eine Ausbildung, um die Kompetenzraster richtig zu lesen und um ihre Kompetenzen im E-Portfolio professionell sichtbar zu machen!
  • Kompetenzraster müssen global sein; lokale Lösungen sind nach Möglichkeit zu vermeiden (vgl. Europäisches Sprachenportfolio)

Kompetenzen elektronisch sichtbar machen:

Eine Nachlese zum Workshop findet sich auch auf Lernenzwei.ch.
Orientierung bieten in Lern-Portfolios - Kompetenzraster als GPS fürs Lernen (Yvone Vignoli und Andy Hediger)
Lern-Portfolios versprechen eine ideale Begleitung und Dokumentation individualisierter Bildung zu sein. Dies gelingt, wenn die Kompetenzstufen der zu lernenden Praxis beschrieben sind: wie im Europäischen Sprachen-Portfolio und wenn je persönliche Lernziele verfügbar werden: mit einem GPS fürs Lernen. Die Kombination der Open Source Projekte ePortfolio, Lernumgebung und GPS fürs Lernen ergibt zusammen mit ganzheitlichen Konzepten und Rahmenbedingungen eine vielversprechende Begleitung offener Aus- und Weiterbildungsprozesse. Im Gespräch werden wir diese Konzepte erläutern und gemeinsam ein realisierbares Modell entwickeln.

Ausgangslage
Kompetenzorientierung verlangt nach entsprechenden Messinstrumenten und Masseinheiten. Die Überprüfung von Lernleistungen im traditionellen Sinn genügen hier nicht mehr. Eine begriffliche Klärung dazu, was Kompetenzen sind und wie diese entstehen, kann Einblick geben in das Spannungsfeld zwischen Lernen und Handeln.

Ziele
Kompetenzerwerb muss verortet werden können, sei es als Selbst- wie als Fremdeinschätzung. Hierzu gehen wir von einem ganzheitlichen Ansatz aus.

Vorgehen
Selbst- und Fremdeinschätzung werden unterstützt durch Begleitinstrumente:
  • Portfolio mit Dokumentation zum Erwerb von Handlungskompetenzen zeigt exemplarisch Lernstationen und Brüche auf. Ist stark strukturiert und dient als Grundlage für einen Dialog mit Partnern.
  • Kompetenzraster mit Angaben von Handlungsmustern, bzw. -zielen zur Reflexion des Lernprozesses. Der Raster wird selber erstellt und dient dazu, gemeinsam Ziele für bestimmte Handlungsmuster auszuhandeln. Erreichtes kann rückblickend festgehalten werden. Der Raster dient als Ausgangsbasis für den Dialog zwischen Lernenden und Lernbegleitenden.
  • Lernumgebung mit Inhalten und Aufgabenstellungen, die zum Handeln anleiten. Enthalten den Gegenstand des Kompetenzerwerbs. Hier werden die unterschiedlichen Schwierigkeits- und Vertiefungsgrade angeregt.

Nutzen
Der Prozess, bei dem der Vergleich zwischen Kompetenzbeschreibung und dem eigentlichen Handeln abläuft, funktioniert wie ein GPS. Kompetenzen werden vermessen und positioniert. Handelnde können sich orientieren in ihrem Umfeld und kennen ihre Positionen. Das Gesamtpaket (Lernplattform, bzw. Lehrmittel als Informationsträger, Kompetenzraster als GPS fürs Lernen, Portfolio als Dokumentensammlung) unterstützt Lernende in ihrer Entwicklung.

Entwicklungsprojekt
Lernende erstellen Kompetenzprofile und erweitern ihre eigenen Möglichkeiten. Sie unterstützen sich mit Lernbegleitinstrumenten zur Selbst- und Fremdeinschätzung.
In Situationen, wo z.B. Teams vor neuen Aufgaben stehen, die sie noch nie gelöst haben, sind diese Instrumente wichtig für die Zielsteuerung der Gruppe. Komplexe Fragestellungen verlangen verschiedene Kompetenzebenen, die neben der Fachkompetenz viele andere Kompetenzen einschliesst und die den Rahmen von traditionellen Aus- und Weiterbildungsgefässen sprengen. Informelles Lernen vermischt sich mit formellem. Hierbei wirken Lernbegleitung klärend. Der Lernbegleitungsprozess vollzieht sich über eine angemessene Wahl und Gestaltung der Lernbegleitungsinstrumente.

Forschungsfrage
Wie kann ein angemessener Zugang zu Werkzeugen und deren Umgang damit geschaffen werden und wie steuert sich der Aufbau des Dialogs zwischen Lernenden und Lehrenden, damit Kompetenzen von aussen und aus Distanz erkenn- und messbar werden?

Quelle: Paper von Yvone Vignoli und Andy Hediger, lernenzwei, Zürich.