Kritik der Portfolioarbeit

Auf lehrer-online ist der Artikel "Kritik der Portfolioarbeit" erschienen. Die kurze Zusammenstellung von Michael Scheibel weist darauf hin, dass die Portfolioarbeit zunehmend auch kritisch für das Lernen betrachtet werde. Im Text wird kritisiert, dass die Portfolioarbeit zu einer Austrocknung des Lernsinns führe, die Portfolioarbeit zunehmend zum Inhalt werde und das man sich frage müsse, ob Portfolios für den Lernenden oder für den Lehrenden geschrieben würden. Dies führe letztlich dazu, dass sich die Lernenden bei der Portfolioarbeit primär darum kümmern würden, sich gut und konform zu präsentieren und ein Zwang zur Selbstoptimierung vorherrsche. In einer Vorlesung über E-Portfolios für das forschende Lernen weist Frau Reinmann mit den Begriffen "Over-Scripting", "Over-Acting" und "Over-Reflecting" auf weitere subtile Gefahren hin. In Bezug auf Bewertungsportfolios erwähnt Frau Reinmann, dass diese sehr schnell zu Laufbahn- oder Selbstvermarktungsportfolios würden, indem in ihnen alles gesammelt werde, was perfekt erscheine.

Auffallend an diesem Artikel zur Kritik der Portfolioarbeit ist, dass zwar Portfolio-ExpertInnen wie Thomas Häcker oder Gaby Reinmann zu Wort kommen, aber eigentliche wissenschaftliche Belege zu diesen Aussagen fehlen. Zudem frage ich mich, von welch edlem Lernverständnis hier überhaupt ausgegangen wird. Denn die wenigsten Lernenden lernen in Schulen aller Stufen lediglich zum Selbstzweck. Schliesslich müssen sie tagtäglich gut und konform die Anforderungen der Lehrenden erfüllen; das lernen übrigens schon die Kleinen in der 1. Klasse. Ausserdem frage ich mich, was denn eine Bewerbung anderes sein soll als ein Laufbahn- oder Selbstvermarktungsinstrument?!

Unsere Erfahrungen zu E-Portfolios mit Lehramtstudierenden, mittlerweile sind wir im fünften Jahr, sind jedoch auch andere: Die Qualität der Reflexion steigt und es ist nicht nur Selbstvermarktung. Wer möchte kann sich hier davon überzeigen.

Weblogs als E-Portfolio

Michael Scheibel hat kürzlich auf Lehrer-online den Beitrag "Weblogs als E-Portfolio" verfasst, der besonders als erste Orientierung für Lehrpersonen Sinn macht. Leider fokusiert der Beitrag nur die technischen Aspekte von E-Portfolios mit Weblogs:
Für die Portfolioarbeit sind ebenfalls Web-Publikationswerkzeuge einsetzbar. Hier wird gezeigt, was Weblogs sind und wie sie als ePortfolio-Tool verwendet werden können.
Anmerkung zum Beitrag: Natürlich liessen sich E-Portfolios auch mit der Blog-Funktion von Educanet2 (Lern- und Arbeitsplattform für Schweizer Schulen) realisieren, wobei sich dieses Tool wohl eher für erste Versuche eignet. Wir haben unsere E-Portfolio-Erfahrungen mit einem mobilen Weblog (Moblog) der Firma Kaywa gemacht, der es zudem erlaubte, Texte und Fotos auch über das Handys aufs das Schüler/innen-Weblog zu publizieren. Einen weiteren Versuch zu E-Portfolios mit Schüler/innen werden wir voraussichtlich mit dem Open Source E-Portfoliotool Mahara realisieren.
ePortfolio4Kids
Abgeschlossenes Projekt an der Projektschule Impuls zu E-Portfolio mit Weblogs.


Unsere Erfahrungen mit Weblogs als E-Portfolio
Unser inzwischen abgeschlossenes Entwicklungsprojekt "E-Portfolio4Kids" an der Projektschule Impuls (Primarschule, 4-6. Klasse) an der Pädagogischen Hochschule des Kantons St.Gallen (PHSG) hat aufgezeigt, dass das Führen eines E-Portfolios mit einem Weblog für alle Beteiligten in der Schule keine technischen Probleme bereitet. Viel schwieriger war es jedoch, dass die Schüler/innen über einen längeren Zeitraum das E-Portfolio mit wirklich sinnvollen Textinhalten füllten - dabei musste immer auch genügend Zeit für das Schreiben der Blogpostings im Unterricht eingeplant werden. Es brauchte also immer wieder Schreibanlässe, wo das E-Portfolio auch wirklich Sinn machte. Leider ist es uns nur bei wenigen Schüler/innen gelungen, dass sie auch von Zuhause selbständig ihr E-Portfolio mit Inhalten gefüllt haben. Eine Vorbedingung seitens der Eltern für das E-Portfolio-Projekt war, dass die Weblogs nicht im Internet öffentlich zugänglich sein durften.

Last but not least: Die Zeitressourcen der Lehrperson für das Begleiten der E-Portfolio-Weblogs einer Klasse ist letztlich ein entscheidender Faktor, ob das E-Portfolio-Experiment in der Schulstube gelingt. Die Herausforderung ist also einmal mehr nicht die Technik, sondern die Didaktik!

[video] CityU ePortfolio: Have you got your ePortfolio created?

[video] eportfolio - Tools for learning in the digital age

EIfEL EVENTS: MISC and LFL 2010

Nachfolgend möchte ich auf die zwei EIfEL EVENTS: MISC and LFL 2010 hinweisen:

MISC 2010 —Personal data it's ours! ( 20-22nd January, 2010, Royal Society for the encouragement of Arts, Manufactures and Commerce (RSA), London)
Making learning, knowledge, working, employment, business and healthcare mobile, personal and social. MISC Conference will take place from 20th to 22nd January 2010 at Royal Society for the encouragement of Arts, Manufactures and Commerce (RSA), London.
The MISC conference is about exploring the current changes in technologies and practices towards individualisation and socialisation through connectivity and mobile technology at the service of identity construction. Our goal is to bring together researchers and practitioners working in a variety of fields (education, employment, healthcare, policy, technologies etc.) to facilitate exchanges and foster future collaborations. It aims at offering a forum where these researchers and practitioners can discuss theoretical as well as practical aspects, open issues, and innovative approaches as well as share the latest advances in the state of the art of personal and social data management, privacy/intimacy and identity construction.
For more information please visit: www.miscforum.eu or contact kate.burnham@eife-l.org.


Learning Forum London 2010 —ePortfolio for all! (5-7 July, 2010, Savoy Place, London)
In 2003, in Poitiers during the first international ePortfolio conference, EIfEL set the goal that by 2010 every citizen should have access to an ePortfolio. How effective have we been and far are we from that goal? Should it be postponed to a further deadline or should we set a new one, e.g. on digital identity? To find the answers to these questions and more, join us at Learning Forum London, 5-7 July 2010, at the Savoy Place. The event will feature ePortfolio 2010, the 8th international ePortfolio conference, with a special track on healthcare as well as Key Competencies 2010, the 4th international conference on skills for life.
20 abstracts and the 5 best papers submitted in track EP1 (ePortfolio in healthcare education and practice) will be published in the International Journal of Clinical Skills.
For more information please visit: http://www.epforum.eu/ or contact kate.burnham@eife-l.org.

ePortfolio 2009 - After Conference

Die diesjährige 7. internationale ePortfolio-Konferenz in London gehört seit ein paar Tagen schon wieder der Vergangenheit an. Zeit, um eine kurze Rückschau zu halten:

Die ePortfolio conference 2009 und das zeitgleich stattfindende Learning London Forum waren gemäss dem Veranstalter Serge Ravet von EIfEL ein voller Erfolg: Insgesamt haben 240 Teilnehmer/innen aus 25 Ländern 17 Workshops, 17 Parallel Sessions and 3 Plenaries besucht.

Ich persönlich war während der ePortfolio Konferenz häufig enttäuscht vom Gebotenem. Besonders die amerikanischen und englischen Keynote-Speakers und einige ReferentInnen der Workshop hatten meist wenig zu sagen: sehr viel Selbstdarstellung und wenig Konkretes. Auch Helen Barretts Auftritt war einmal mehr eine Enttäuschung: viele Schlagworte mit wenig Tiefgang (Google Waves - wowww....); ihr einziger persönlicher Zugang waren erneut die "veralteten" E-Portfolio-Videos ihrer Grosskinder. Belohnt wurden wir dann allerdings von jenen ReferentInnen, die insbesondere aus nordischen Ländern (Belgien, Holland, etc.) stammen. Hier scheint sich eine E-Portfolio-Kultur etabliert zu haben. Glücklich waren Andrea und ich natürlich auch nach dem erfolgreichen Ende unserer E-Portfolio Presentation, die bei den ZuhörerInnen auf gute Resonanz stiess. Um den Konferenz-Teilnehmenden einen konkreten Einblick zu geben, haben wir Auszüge aus den E-Portfolios unserer Studierenden ins Englische übersetzt - vielen Dank Tim für deine Unterstützung. Alle weiteren Informationen gibt es wie immer auf unserem E-Portfolio Network. Im Nachhinein stelle ich fest, dass ich doch noch den einen oder anderen wichtigen Hinweis von der ePortfolio Konferenz aus London mit nach Hause genommen habe. Die Teilnahme am E-Portfolio Kongress 2009 in London hat sich auf alle Fälle gelohnt!

Nachstehender Photostream gibt einen visuellen Einblick zu unserem London-Aufenthalt
London - Fotostream 2009
Weitere Fotos unter: http://photo.kaywa.com/Martin/album/145

Videoaufnahme zu unserer Präsentation (folgt in Kürze)

ePortfolio 2009 - Day 3

Key Notes
Gràinne Conole von der Open University (UK) spricht zu "Personalisation thought technology-enhanced learning". Helen Barrett (USA) fokusiert das Thema "Lifelong ePortfolios: Creating your Digital Self". Simon Grant (UK) thematisiert "E-Portfolio values". John Pallister, Wolsingham School and Community College (UK), meint "Ready or not, the Personal Learning environment is coming with the ePortfolio Process as the Keystone".


Presentation
Nachstehend einige Eindrücke aus unserer Präsentation "Process and product assessment with e-portfolios in the first academic year at the university of teacher education", Andrea Christen, Martin Hofmann, University of teacher education, St.Gallen, Switzerland:

ePortfolio 2009 - Day 2

Heute am E-Portfolio-Kongress in der Session "ePortfolio in schools and pre-schools":

Die türkische Lehrerin Burcu Orenturk berichtet über eine Fallstudie zu E-Portfolios an der Enka Primary School in Istanbul. Dabei zeigt sie sehr viele Artefakte der Schüler/innen aus ihren E-Portfolios; zum ersten Mal sehe ich an diesem E-Portfolio Kongress auch mal ein E-Portfolio von Lernenden und nicht nur Folien. Es fällt auf, dass die Kinder eine Vielfalt von Tools (Powerpoint, Mapping-Tools, Animationen, Google Sites, ...) nutzen, um ihre E-Portfolios mit Artefakten zu füllen.

Eileen Elizabeth Brennan vom Mercy College Dobbs Ferry New York (USA) referiert zum Thema "ePortfolios for Early Child Teacher Education Certification Program". Leider berichtet Frau Brennan weniger über das Programm selbst, sondern teilt uns ihre Erfahrungen zum Programm mit.

Wolfgang Helmeth vom EDEJU - International Institute for the Promotion of the Development of Youth (Germany) spricht zum Thema "ePortfolios for kids in social networks across Generations, competencies and cultural backgrounds". Sehr spannend zu sehen, wie Kinder sich und ihre Projekte präsentieren (Cleverle anklicken).
edeju (1)

edeju (2)

Marjan Van de maele aus Belgien spricht zum "The C-Stick project: innovative practices for assessing key competencies". Dabei werden alle Artefakte vom E-Portfolio der Lernenden zuerst auf dem USB-Stick gespeichert und anschliessend übers Internet mit dem Server synchronisiert. Der Vorteil dieser C-Stick-Lösung ist, dass der Lernende stets seine Artefakte aus dem E-Portfolio bei sich hat - mir gefällt dieser Ansatz!
C-Stick (1)

C-Stick (2)


ePortfolio 2009 - Day 1

Über die 7. internationale E-Portfolio Konferenz in London habe ich bereits vorinformiert. Neben Live-Blogging von der E-Portfolio-Konferenz auf diesem Blog erprobe ich parallel dazu auch Twitter: #eportfolio2009.
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An der City University London startet das diesjährige ePortfolio Forum mit Präsentationen zum Thema "Schlüsselkompetenzen (Key Competencies)". Fabrizio Cardinali spricht zu "Blended New Generation Skills, Portfolio and Learning Content Management Systems for personalizing learning in Europe (and surviving global crisis and competition)". Leider ist seine Präsentation nicht sehr ergibig; schlechte Folien, wenig konkrete Aussagen. Chris Yapp fokusiert in seinem Referat "E-Portfolios for All? Technology Push vs. User Pull. Dabei macht Chris Yapp die folgenden spannenden Aussagen:
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Serge Ravet betont in seinem Referat, dass "Managing one's identity is a key skill": "Key competency for digital ID is the ability to interweave our digital stories."
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Teilnahme an der 7. internationalen ePortfolio-Konferenz in London

Vom 22. bis 24. Juni 2009 findet die 7th International ePortfolio conference zum Thema "Innovation, Creativity and Accountability" statt. Diese Veranstaltung möchte primär die Möglichkeiten und Fortschritte in Richtung "ePortfolio für alle" aufzeigen. Auf dieses Ziel ist auch die Agenda 2010 und die folgenden Jahre fokusiert. Organisiert wird diese wohl grösste europäische Konferenz zum Thema E-Portfolio vom European Institute for E-Learning (EIfEL). Jährlich treffen sich hier zahlreiche ExpertInnen und Entscheidungsträger aus Bildung und Politik aus mehr als 25 Ländern der ganzen Welt zum wissenschaftlichen Austausch. Während die International ePortfolio conference die letzten 2 Jahre in Maastricht NL stattfand, ist der Austragungssort dieses Jahr die City University London UK.

Natürlich freuen wir uns ganz besonders an dieser wichtigen Konferenz erstmals unser E-Portfolio-Projekt der Pädagogischen Hochschule des Kantons St.Gallen vorstellen zu können. Meine Kollegin Prof. Andrea Christen wird zum Thema PROCESS AND PRODUCT ASSESSMENT WITH E-PORTFOLIOS IN THE FIRST ACADEMIC YEAR AT THE UNIVERSITY OF TEACHER EDUCATION, ST.GALLEN (PHSG, SWITZERLAND) referieren, während ich anschliessend einen konkreten Einblick in einzelne E-Portfolios unserer Studierenden geben werde. Seit gut einem Jahr setzen wir an unserer Hochschule das Open Source ePortfolio-Tool Mahara ein. Der Call for Papers kann hier heruntergeladen werden. Weitere Informationen finden sich wie immer unter http://www.eportfolio-phsg.ch.


ePortfolio2009
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